Arrangierte Ehen. Skrupellose Unterbosse. Verbotene Anziehungskraft. „Zweckehe mit dem Mafioso“ hat alles, was zu einem Mafia-Liebesroman gehört: zwei Paare, von denen eins garantiert das gemeinsame Glück findet und ein Cliffhanger für das andere, der noch mehr Spannung verspricht.
Giulia & Raffaele
Ihre Ehe wurde arrangiert, um eine Allianz zwischen mächtigen Mafiafamilien zu festigen. Als die pflichtbewusste Giulia sich in ihren skrupellosen Unterboss-Ehemann verliebt, muss sie leider feststellen, dass sie mehr aufgrund ihrer Fähigkeit, Kinder zu bekommen, geschätzt wird als wegen ihrer Persönlichkeit. Da sie heimlich verhütet, um eine weitere Schwangerschaft zu verhindern, riskiert sie, Raffaeles Wut zu entfachen. Doch Raffaele hegt Gefühle, die er nie zugegeben hat – nicht einmal sich selbst gegenüber. Wenn schließlich alle Geheimnisse ans Licht kommen, wird ihre Beziehung dann zerbrechen oder gestärkt werden?
„Im Leben eines Mafia-Unterbosses ist kein Platz für zärtliche Gefühle. Zumindest dachte ich das, als wir heirateten. Sechs Jahre haben viel verändert, aber meine Frau glaubt, ich sei immer noch derselbe gnadenlose Mann, den sie geheiratet hat. Für jeden anderen bin ich das auch.“
Catalina & Severu
Catalinas Schwester ist mit dem Don verlobt, der ihre eigenen tiefsten Wünsche weckt. Gefangen zwischen Pflicht und Sehnsucht, erwägt sie die Flucht. Severu, dessen Mafia-Imperium bedroht ist, willigt ein, Catalinas Schwester zu heiraten, um Allianzen zu festigen, während er gleichzeitig gegen seine verbotene Anziehung zu Catalina ankämpft. Die Geschichte der beiden beginnt gerade erst und endet mit einem spannenden Cliffhanger, der in den Roman „Dringende Gelübde“ überleitet.
„Jemand greift meine Mafia an. Ich muss die Familie um jeden Preis schützen, auch wenn das bedeutet, dass ich eine Frau heiraten muss, für die ich nichts empfinde. Ich muss einfach ignorieren, wie mein Körper auf ihre Schwester reagiert.“
Hinweis: „Zweckehe mit dem Mafioso“ ist die Vorgeschichte zu „Dringende Gelübde“ und das einzige Buch der „Syndicate Rules“-Reihe, das nicht für sich allein steht. Die Geschichte von Giulia und Raffaele endet mit einem garantierten Happy End, während die Geschichte von Catalina und Severu im nächsten Roman weitergeht.
Las Vegas, Nevada
Mancini-Mafia
Ich bekomme kaum mit, wie das Auto anhält, denn ich bin ganz damit beschäftigt, die Gästeliste für das nächste Wohltätigkeitspokerturnier für Prominente fertigzustellen.
Der gesamte Erlös wird der Erforschung von Herzkrankheiten bei Frauen zugutekommen. Mit „gesamtem Erlös“ meine ich alles, was übrig bleibt, nachdem die Mafia sich ihren Anteil gesichert hat.
Als Ehefrau des Cosa-Nostra-Unterbosses in Las Vegas ist es meine Aufgabe, jedes Jahr vier Veranstaltungen wie diese zu organisieren. Die Mafia bekommt nicht nur ihren Anteil – diese Veranstaltungen helfen auch dabei, die weniger legalen Einnahmen der Mancini zu waschen.
Mein Vater, ein New Yorker Don, hätte meiner Mutter niemals erlaubt, materiell zu Mafiageschäften beizutragen. Aber mein Schwiegervater hat in der Hinsicht andere Vorstellungen. Ich darf zwar sonst nichts über das Geschäft wissen, aber man nennt mir für jede Veranstaltung einen Betrag, den ich waschen soll.
Mein Mann zeigt mir seine Wertschätzung für jede Veranstaltung, die ich organisiere. Manchmal mit einem Schmuckstück. Manchmal mit einem Kurztrip ins Ausland. Den ich allein antrete. Natürlich.
Raffaele Mancini ist zu sehr mit seiner Position im Mafiaimperium seiner Familie beschäftigt, um mich zu begleiten. Es ist ja nicht so, dass wir uns lieben. Jedenfalls liebt er mich nicht.
Dummerweise habe ich mich in Raff verliebt – und zwar kurz nachdem unsere Verlobung bekannt gegeben wurde. Da war ich sechzehn. Na gut, anfangs war ich wahrscheinlich nur in den umwerfenden, charismatischen Mann verknallt, dem ich seit meinem 12. Geburtstag versprochen war.
Aber im Laufe der Jahre reiften diese Gefühle. Zuerst, weil er mich jedes Mal, wenn wir zusammen waren, mit Respekt behandelte. Dann, weil er sich gegen seinen Vater durchsetzte, damit ich vor der Hochzeit die Universität besuchen konnte. Es half sicher auch, dass mein eigener Vater ebenfalls darauf bestand.
Aber die Mancinis hätten darauf drängen können, dass die Heirat stattfindet, sobald ich 18 wurde, und dass ich die Universität nur online besuche. Raff verstand jedoch, wie wichtig es für mich war, die volle College-Erfahrung zu machen. Zumindest dachte ich das.
Ich wollte auch keine Teenager-Braut sein, und im Nachhinein wird mir klar, dass er kein Interesse daran hatte, eine Teenagerin zur Frau zu haben.
Als ich heiratete, dachte ich, es sei wie im Märchen. Ich war eine Mafiaprinzessin und er war mein Prinz.
Im Gegensatz zu anderen arrangierten Ehen in der Mafia würden wir glücklich sein. Wir würden uns lieben.
Wie meine Eltern.
Meine Seifenblase platzte am zweiten Tag unserer Flitterwochen, als er mich mit Leibwächtern in Paris zurückließ, um wieder nach Las Vegas zu fliegen und sich da um etwas zu kümmern, das mir bis heute ein Rätsel geblieben ist. Ich lernte bald, dass die Mafiageschäfte immer und jederzeit Vorrang vor unserer Ehe hatten.
Vor mir.
Mir wurde klar, dass Raff mir nicht erlaubt hatte, die Universität zu besuchen, weil er mich verstand. Er verschob die Hochzeit gern, weil die Arbeit immer an erster Stelle stand und keine Frau zu haben, kam ihm mehr gelegen, als eine zu haben. Das galt sogar für eine, die das Bündnis zwischen der stärksten der New Yorker fünf Familien und der Mancini-Mafia in Las Vegas festigte.
Lara öffnet mir die Tür und wartet, bis ich aus dem Auto steige.
Einen Meter achtzig groß, so schön wie ein Cover-Model und dabei mit einer Muskulatur, um die sie viele Männer beneiden würden, hätte Lara mit einem Basketball-Stipendium aufs College gehen können. Stattdessen ging sie zu den US Marines, verließ diese aber wieder, obwohl sie es in das MARSOC geschafft hatte. Als eine von weniger als hundert Frauen in den Elite-Spezialkräfte der Marines hatte man sie mit einem Hilfsjob abgespeist, weil sie eine Frau ist.
So war sie nach Las Vegas zurückgekehrt und hatte dort um die Chance gebeten, als Cosa-Nostra-Soldat der Mancini-Mafia in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Ihre Mutter ist zwar eine Lehrerin aus Nigeria, aber ihr Vater stammt von einer der ursprünglichen sizilianischen Cosa-Nostra-Familien ab.
Mein Schwiegervater hat seine Schwächen, aber ein einzigartiges Talent wegen seines Geschlechts zu übersehen, gehört nicht dazu.
Er hat einen höheren Prozentsatz von weiblichen Soldaten in seinen Reihen als das MARSOC, und er beschränkt sie nicht auf Hilfspositionen.
Jetzt leitet Lara als Chef-Leibwächterin mein Sicherheitsteam.
Ich schnalle mich ab, stecke mein Tablet in die Balenciaga Handtasche und steige aus der Luxuslimousine. Sie ist schwarz, genau wie alle anderen Luxuslimousinen in Las Vegas.
Ich könnte die Chefin eines Casinos sein, eine Berühmtheit, eine reiche Glücksspielerin oder eben das, was ich bin … eine Mafiafrau.
Als ich aufblicke, sehe ich, dass wir uns vor einer medizinischen Klinik befinden. Das überrascht mich nicht. Mein Mann hat diesen Termin in meinen Kalender eingetragen. Ich vermute, ich soll einen der Ärzte treffen, die an der Erforschung von Herzkrankheiten im Zusammenhang mit meiner aktuellen Veranstaltung beteiligt sind.
Raff ist nicht immer der Beste darin, mir seine Pläne mitzuteilen, aber ich bin in diesem Leben aufgewachsen, und ich habe eine schnelle Auffassungsgabe. Meine Mutter hat mich gut auf meine Rolle als Ehefrau des zukünftigen Dons vorbereitet.
Der Fahrer bleibt beim Auto, während Lara mich in das Gebäude begleitet.
„Hallo, Mrs. Mancini. Würden Sie mir bitte folgen?“ Eine Frau in meinem Alter deutet zu einem Gang, der vom Hauptempfang wegführt.
Ich musste ihnen nicht einmal sagen, warum ich hier bin. Das ist auch gut so, denn ich bin mir nicht ganz sicher, was der Grund ist. Aber ich bin an diese Behandlung gewöhnt.
In Vegas eine Mancini warten zu lassen, ist so, als würde man erwarten, dass sich in Washington D.C. ein Familienmitglied des Präsidenten beim Empfang meldet – undenkbar.
Ich bin ein wenig verblüfft, als ich nicht in eines der Arztzimmer, sondern in ein Untersuchungszimmer geführt werde. Lara bleibt draußen vor der Tür.
„Ziehen Sie sich einen Kittel an, dann überprüfen wir Ihr Gewicht und Ihre Vitalwerte.“ Die Frau reicht mir ein gefaltetes Kleidungsstück.
Da ich meine Verwirrung nicht zeigen will, nehme ich es entgegen.
„Dann gebe ich Ihnen mal einen Moment, um sich umzuziehen.“ Sie geht.
Ich lasse den Kittel auf den Untersuchungstisch fallen und hole mein Handy aus der Tasche, um noch einmal in meinen Kalender zu schauen. Vielleicht habe ich etwas übersehen. Meine jährliche Untersuchung hatte ich doch schon. Also, was ist hier los?
Die Notiz in meinem Kalender lautet:
Dr. Hewitt
11:15 Uhr.
Smithson-Gebäude
Bei einer schnellen Suche nach Dr. Hewitt in Las Vegas finde ich mehrere Einträge. Ein Psychiater. Unwahrscheinlich. Zwei Allgemeinmediziner. Könnte sein. Noch einer ist Fußspezialist. Sicher nein. Und ein Fruchtbarkeitsspezialist. Wohl kaum. Es gibt auch einen Physiotherapeuten und sogar einen Heilpraktiker mit diesem Namen.
Keiner der Hewitts gibt das Smithson-Gebäude als Standort an. Das muss nichts heißen, da nicht alle überhaupt einen Standort nennen, und die, die es tun, geben eine Adresse an.
Ich suche also nach dem Smithson-Gebäude und finde eine Adresse zum Vergleich. Ist es lächerlich, dass ich keine Ahnung habe, wo in Las Vegas ich gerade bin? Mamma würde mich zurechtweisen. Ich sollte mir immer bewusst sein, wo ich bin und meine Umgebung ständig im Auge behalten.
Ich bin nachlässig geworden und vertraue darauf, dass Lara und mein Fahrer mich pünktlich dorthin bringen, wo ich sein soll.
Normalerweise ist meine persönliche Assistentin dabei, aber nicht immer, und ich hatte mich nicht gefragt, warum Janine nicht mit uns im Auto war. Ich hatte ihr für heute mehrere Aufgaben zugeteilt und war davon ausgegangen, dass sie daran arbeitete.
Ich wünschte, sie wäre jetzt hier, denn sie wüsste sicher Bescheid.
Bevor ich die Adresse des Gebäudes mit denen der diversen Dr. Hewitts abgleichen kann, die ich bei meiner ersten Suche gefunden habe, öffnet sich die Tür.
„Oh, Sie haben sich nicht umgezogen.“ Die Frau lächelt jetzt nicht mehr. Sie sieht sogar genervt aus. „Dr. Hewitt hat sich Zeit für Sie genommen, obwohl alles ausgebucht ist. Andere Patientinnen müssen monatelang auf einen Termin warten, aber Mr. Mancini hat darauf bestanden.“
Okaaay. „Auf was genau?“, frage ich.
Der Mund der Frau verzieht sich. „Auf eine Untersuchung.“ Sie sagt das so, als wäre ich nicht ganz hell im Kopf.
Ihre Art ärgert mich, aber eine Mafiafrau lernt, damit umzugehen, dass die Leute, vor allem die Männer, denken, sie sei nicht so schlau wie sie.
Ich bin kein hübscher Kleiderständer, aber diese Frau weiß das offensichtlich nicht.
„Ich bin dabei. Geben Sie mir noch eine Minute.“
„Ich hoffe, das meinen Sie wörtlich“, sagt die Frau und stapft dann davon.
Trotz ihrer offensichtlichen Verärgerung habe ich es nicht eilig, mein dunkelrosa Chanel-Etuikleid und die cremefarbene kurze Strickjacke auszuziehen. Obwohl der Februar in Las Vegas bei Weitem nicht so kalt ist wie in New York City, bleibt es an den meisten Tagen unter 21 Grad, was eine leichte Jacke oder einen Pullover notwendig macht.
Ich lege meine Kleidung ordentlich über die Rückenlehne eines Stuhls, bevor ich den Untersuchungskittel anziehe. Ich nehme weder meinen Schmuck ab noch ziehe ich meine Schuhe aus, da man mich nicht dazu aufgefordert hat. Außerdem gibt es hier keine Socken oder Füßlinge.
Meine Handtasche ist immer in der Nähe. Obwohl ich sicher bin, dass Lara nicht zulassen würde, dass ich mich in Gefahr begebe, fühle ich mich besser, wenn meine Waffe in Griffweite ist.
Die Frau kommt nach etwas mehr als einer Minute zurück und wirft mir einen bösen Blick zu, sagt aber nicht, dass ich die Schuhe ausziehen soll. „Gut. Dann wollen wir mal Ihr Gewicht und Ihre Vitalwerte messen.“
Ihr Ton ist eher behördlich als freundlich.
Mit einer Grimasse trete ich auf die Waage. Obwohl die Geburt meines Sohnes schon drei Jahre her ist, habe ich nie das ganze Gewicht verloren, das ich während der Schwangerschaft mit Neri zugenommen habe.
Zumindest bin ich jetzt sicher, dass die Frau eine Krankenschwester ist. Sie schnalzt mit der Zunge und weist mich dann an, mich auf den Untersuchungstisch zu setzen. Sie misst meinen Blutdruck und ich frage mich nicht zum ersten Mal, warum es so wehtun muss, wenn sich die Manschette anspannt.
Vielleicht bin ich einfach empfindlich.
Die Krankenschwester prüft meinen Puls und den Sauerstoffgehalt meines Blutes, bevor sie sagt: „Dr. Hewitt wird gleich bei Ihnen sein.“
So genervt sie offensichtlich ist, so sicher bin ich mir, dass man mich nicht warten lassen wird. Ich bin eine Mancini. Und das hier ist Vegas.
Wie erwartet, ertönt einige Minuten später ein leises Klopfen.
Ich verdrehe die Augen. Die Krankenschwester hat nicht einmal geklopft. „Kommen Sie rein.“
Ein großer, schlanker, grauhaariger Mann in einem weißen Laborkittel und mit Stethoskop betritt den Raum. Er sieht aus wie ein Arzt, aber ich bin schockiert, dass es sich bei Dr. Hewitt um einen Mann handelt.
Seit meiner Hochzeit bin ich weder von einem männlichen Arzt noch von einem Krankenpfleger behandelt worden. Auf Anordnung meines Mannes. Daher habe ich keine Ahnung, was ich jetzt davon halten soll, schließlich hat Raff diesen Termin vereinbart.
„Ich bin Dr. Hewitt.“ Er streckt die Hand aus. „Es ist mir ein Vergnügen, Sie kennenzulernen, Mrs. Mancini.“
Ich schüttle seine Hand. Seine Haut ist trocken und kühl.
„Warum bin ich hier?“, frage ich geradeheraus.
„Wir führen nur ein paar Tests durch und nehmen eine Untersuchung vor. Nichts, wovor man Angst haben müsste.“
„Ich habe keine Angst.“ Aber verwirrt bin ich immer noch. „Was für Tests?“
„Mr. Mancini möchte, dass wir feststellen, ob es einen körperlichen und/oder behandelbaren Grund für Ihre Unfruchtbarkeit gibt.“
„Unfruchtbarkeit?“ Ich schnaufe fassungslos. „Ich habe einen Sohn.“
„Den Sie vor über drei Jahren zur Welt gebracht haben.“
„Ja.“ Danke, dass Sie das Offensichtliche aussprechen. Aber das verkneife ich mir. Sarkasmus gilt bei der Frau eines Unterbosses nicht als attraktiver Charakterzug.
Aber lächeln tue ich auch nicht.
„Zusammen mit den zwei Jahren, die Sie gebraucht haben, um schwanger zu werden, ist Mr. Mancini verständlicherweise besorgt darüber, dass es seit der Geburt Ihres Sohnes keine zweite Schwangerschaft gegeben hat.“
Will der mich verarschen? Tief in mir flackert Wut auf. „Er hat für mich einen Termin bei einem Fruchtbarkeitsspezialisten gemacht, weil er wissen will, warum ich nicht schwanger geworden bin?“
Ich halte meinen Tonfall gleichmäßig. Gerade eben so. Dabei würde ich am liebsten so laut schreien, dass diesem herablassenden Arschloch die Trommelfelle platzen.
„Ich verstehe, wie schwierig und peinlich das für Sie sein mag, aber Sie müssen verstehen, dass Sie nicht weniger Frau sind, egal, was die Ursache der Unfruchtbarkeit ist.“
Dieser Mann berät Paare, die keine Kinder bekommen können? Der? Die armen Paare. Vor allem die Frauen.
Peinlich. Unfruchtbarkeit. Beides keine Worte, die auch nur ein Mindestmaß an Sensibilität widerspiegeln.
Was für ein Idiot.
„Die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, hat absolut nichts damit zu tun, eine Frau zu sein“, sage ich so ruhig wie möglich.
Sein „Hmm“ könnte man sowohl als Zustimmung als auch als Ablehnung deuten. „Wenn das unbehandelt bleibt, könnte es Ihre Ehe beeinträchtigen.“
Geht es vielleicht noch unsensibler?
„Wenn was genau unbehandelt bleibt?“ Warum nimmt er an, dass das Problem bei mir liegt? Falls es überhaupt ein Problem gibt. Und es gibt keins.
Worum es sich hier handelt, ist hochwirksame Verhütung.
„Ihre Unfähigkeit, schwanger zu werden.“
„Haben Sie auch nur eine Stunde Sensibilitätstraining hinter sich?“, frage ich mich laut.
„Ich versichere Ihnen, ich bin der Beste auf meinem Gebiet. Meine Erfolgsquote ist höher als die jedes anderen Fruchtbarkeitsspezialisten im Westen der USA.“
Der hasst es bestimmt, diese Behauptung mit einer geografischen Bezeichnung zu relativieren. Dieser Typ strotzt nur so vor herablassender Arroganz.
„Und ich versichere Ihnen, das das nicht nötig ist.“ Ich hebe die Hand, als er den Mund öffnet, um weiterzusprechen. „Ich habe eine Spirale. Ich habe sie mir nach der Geburt meines Sohnes einsetzen lassen.“
Der einzige Bereich, in dem Raff mich nie enttäuscht hat, ist unser Sexualleben. Ich wusste, dass wir Geschlechtsverkehr haben würden, sobald ich nach meiner Sechs-Wochen-Untersuchung grünes Licht bekam.
Dr. Hewitts Augen weiten sich. „Ich bin mir sicher, Mr. Mancini wird erleichtert sein, das zu hören.“ In seiner ohnehin schon hochmütigen Stimme schwingt Abwertung mit, weil ich Raff nichts von der Verhütungsmethode erzählt habe.
Mir gelingt es, meine wütende Erwiderung zurückzuhalten. Dr. Hewitt ist nervig, aber er ist nicht die Person, auf die ich wütend bin. Sondern auf meinen Mann.
Wenn Raff wissen wollte, warum ich nicht schwanger geworden bin, warum hat er das Thema nicht zur Sprache gebracht? Stattdessen hat er für mich einen Termin bei einem Fruchtbarkeitsspezialisten gemacht, ohne mich zu fragen.
Ich bin es gewöhnt, dass mein Mann mit einer gewissen Willkür vorgeht. Er ist schließlich ein Mafia-Unterboss. Aber das hier ist mehr als lächerlich. Es ist beleidigend und verletzend.
Ich denke an die Pistole, die in einer speziell entworfenen, verdeckten Seitentasche meiner Handtasche steckt. Alle meine Handtaschen haben eine, egal, um welchen Designer es sich handelt. So kann ich schnell und diskret auf meine Pistole zugreifen, ohne die Handtasche öffnen zu müssen.
Wenn mein Mann jetzt hier wäre, würde ich damit auf ihn schießen. In den Arm oder so. Es soll wehtun, aber ihn nicht dauerhaft außer Gefecht setzen.
Mein Schwiegervater hat ganz sicher auch etwas damit zu tun. Und wenn der jetzt hier wäre, würde ich auf sein Knie zielen. Er liegt uns ständig in den Ohren, dass wir noch mehr Kinder bekommen sollen, aber ich bekomme kein zweites Baby, bevor ich nicht dazu bereit bin.
Ironischerweise habe ich einen Termin bei derselben Gynäkologin, die mir die Spirale eingesetzt hat, um sie zu entfernen – und zwar, wenn ich nächsten Monat meine Familie in New York besuche. Ich bin ernsthaft versucht, diesen Termin jetzt abzusagen.
Der Arzt wäscht sich die Hände und zieht sich dann ein Paar sterile Handschuhe an. „Ziehen Sie bitte Ihre Schuhe aus und legen Sie sich auf den Tisch.“
„Warum?“ Ich habe doch bereits erklärt, warum ich keine Untersuchung brauche.
„Um die Spirale zu entfernen.“ Er runzelt die Stirn. „Mit diesem zusätzlichen Eingriff hatte ich nicht gerechnet.“
Die Krankenschwester kommt zurück und trägt ein Tablett mit einigen versiegelten Injektionsnadeln und leeren Röhrchen für die Blutabnahme. Sie stellt es auf einem Rolltisch neben mir ab.
„Ich brauche eine Zange“, sagt der Arzt. „Nachdem ich die Spirale entfernt habe, werde ich noch die von Mr. Mancini verlangte Untersuchung durchführen, um sicherzustellen, dass es keine Komplikationen gibt.“
Dieser Mann hat einen Dachschaden. Ich bin die Patientin. Nicht mein Ehemann, und ganz sicher nicht die Krankenschwester.
„Sie verhütet?“ Die Krankenschwester blickt mich vorwurfsvoll an.
Ich gebe ihm keine Gelegenheit, ihr zu antworten. „Sie fassen mich nicht an“, sage ich den beiden mit Nachdruck.
Die Krankenschwester ignoriert mich und greift nach meinen Schuhen. Meine Mutter hat mich zu einer Dame erzogen, aber mein Vater hat mich gelehrt, mich zu verteidigen.
Ich trete also nach ihr und verfehle sie nur knapp, weil sie nach hinten springt. Sie ist erstaunlich schnell.
„Wir sind hier fertig. Ich gehe jetzt.“ Ich springe vom Untersuchungstisch. „Sie werden jetzt beide gehen, damit ich mich anziehen kann.“
Dr. Hewitt öffnet die Tür und ruft nach jemandem. Weder er noch die nun finster dreinblickende Krankenschwester verlassen den Raum, wie ich es ihnen befohlen habe.
Ein paar Sekunden später kommt ein Mann im Pfleger-Kasack herein.
„Mrs. Mancini braucht Hilfe, um sich zu beruhigen. Bereiten Sie ein Beruhigungsmittel vor“, sagt Dr. Hewitt zu der Frau. „Dolph, bitte helfen Sie ihr zurück auf den Untersuchungstisch.“
Oh nein, auf keinen Fall.
Dolph versucht, mich zu packen, aber jetzt bin ich es, die zurückspringt. Ich greife nach meiner Handtasche, ziehe schnell meine Glock 19 heraus und richte sie auf den großen Mann. „Treten Sie zurück.“
„Legen Sie das weg“, bellt der Arzt und klingt dabei überhaupt nicht besorgt.
Glaubt der, ich würde nicht schießen?
Die Krankenschwester kommt mit der Spritze auf mich zu.
Ich bewege den Lauf meiner Waffe leicht, sodass er auf sie gerichtet ist, und knurre. „Bleiben Sie mir vom Leib.“
Sie zieht sich zurück und Dr. Hewitt wendet sich mit seiner herablassenden Arroganz an sie. „Sie wird Sie nicht erschießen, Lynne.“
„Darauf würde ich es nicht ankommen lassen“, sage ich.
Ich sollte nach Lara rufen, aber ich bin wütend auf sie. Sie hat mich hierher gebracht. Und obwohl sie sicher auch wusste, warum, hat Lara mir gegenüber kein Wort gesagt.
Dolph springt auf mich zu, und ich ziele rasch und schieße. Lynne schreit auf. Dr. Hewitt brüllt, und Dolph stürzt nach hinten, wobei an der rechten Seite des Kasacks ein roter Fleck aufblüht. Ich wollte ihn nicht töten, nur aufhalten.
Lara stürmt mit gezogener Waffe in den Raum. Sobald sie sieht, worauf ich meine gerichtet habe, nämlich auf die Frau mit dem Beruhigungsmittel, richtet sie ihre auf den Arzt.
„Schaffen Sie diese Frau aus meiner Klinik. Wenn Mr. Mancini einen neuen Termin vereinbart, muss sie sediert und unbewaffnet sein.“
Lynne schnappt nach Luft. „Sie wollen sie zurückkommen lassen? Warum rufen wir nicht die Polizei?“
Der Arzt ignoriert sie.
Genau wie Lara. „Giulia?“
Fast jeder in der Vegas-Mafia nennt mich bei meinem Vornamen. Hier in Vegas läuft vieles anders als in New York. Im Vergleich zu der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, ist vieles in Las Vegas immer noch ungewohnt.
Zum einen das Wetter. Ich mag den Sonnenschein, aber die extreme Sommerhitze ist der Grund, warum ich jedes Jahr im August meinen längsten Familienbesuch plane.
„Giulia?“, spricht mich Lara erneut an.
Ups. Meine Gedanken schweifen ab. Ich habe noch nie auf jemanden geschossen. Das bringt einen ganz durcheinander. „Dolph braucht Hilfe, bevor er verblutet.“
Weder Dr. Hewitt noch Lynne rühren sich, um ihrem Kollegen zu helfen, der blutend gegen einen Schrank gelehnt auf dem Boden sitzt.
„Warum hast du auf ihn geschossen?“, fragt mich Lara.
„Er wollte mich auf den Untersuchungstisch zwingen, wo er …“ Ich deute auf den immer noch wütenden Arzt. „… vorhatte, seine Finger ohne meine Zustimmung in meine Vagina zu stecken.“ Ich zeige auf Lynne. „Und sie wollte mich betäuben.“
Laras Augen verengen sich und sie blickt den Arzt an. „Erklären Sie mir das.“
Mit diesen Worten macht sich Lara mit meinem Mann mitschuldig. Anstatt dem Arzt zu drohen, verlangt sie eine Erklärung. Als ob irgendetwas die Handlungen dieses Mannes rechtfertigen könnte.
Offenbar glaubt Lara, wie Raff und Dr. Hewitt auch, dass mein Körper nicht mir gehört.
Das hat nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin. Es liegt daran, dass ich die Frau des Unterbosses bin und alle meine Kinder Erben des Dons sind.
„Sie hat eine Spirale. Mr. Mancini möchte, dass sie schwanger wird, aber das wird sie nicht, solange die Spirale das verhindert. Ich wollte sie auf seine Anweisung hin entfernen, um ihre Unfruchtbarkeit zu behandeln.“
Wütend sage ich: „Ich bin die Patientin. Ohne meine Erlaubnis tun Sie gar nichts mit mir. Und außerdem könnte die Verwendung des Wortes ‚Unfruchtbarkeit‘ ein Trigger sein, wie Sie sicher wissen.“
Dieser Mann braucht mehr als ein Wochenendseminar über Sensibilität. Der muss sein ganzes Gehirn neu verdrahten lassen.
„Mr. Mancini weiß, dass ich für die Untersuchung den Vaginalbereich von Mrs. Mancini berühren muss. Selbst wenn sie keine Spirale hätte, von der er nichts wusste“, erklärt Dr. Hewitt Lara weiter, ohne auf meine Worte einzugehen.
Er glaubt, dass Raff sein Handeln gutheißen wird. Damit könnte er recht haben.
Aber ich bin sauer. „Ich hätte auf Sie schießen sollen.“
„Vielleicht wäre hier eine psychiatrische Behandlung angebracht“, sagt Dr. Hewitt, der immer noch mit Lara spricht. „Richten Sie Mr. Mancini aus, dass ich ihn an einen diskreten Spezialisten verweisen kann.“
Ich ziele mit meiner Waffe und drücke ab. Die Kugel zischt am Kopf des Arztes vorbei und schlägt in die Wand hinter ihm ein. Dr. Hewitts Schrei ist genauso hoch wie der von Lynne. Der ist gleich viel weniger gefasst, wenn die Waffe auf ihn gerichtet ist.
„Halten Sie die Klappe“, fordere ich mit einem grimmigen Blick in seine Richtung. „Oder die nächste Kugel geht direkt durch Ihren Mund.“
Dr. Hewitt wird blass und schließt fest die Lippen. Na endlich. Um Lynnes Füße herum bildet sich eine Urinpfütze. Das sollte mich nicht so sehr freuen, wie es das gerade tut.
Lara seufzt. „Ich wusste, der Boss hätte mit dir darüber reden sollen, bevor er den Termin gemacht hat.“
„Ach?“ Ich lege die Waffe auf das Ende des Untersuchungstisches, das mir am nächsten ist, und reiße mir den Kittel vom Leib.
„Was machst du da?“, fragt Lara und wirkt zum ersten Mal geschockt.
„Ich ziehe mich um.“
„Du solltest das nicht machen, wenn noch alle im Raum sind.“
„Ach ja, wirklich?“ Ich verdrehe die Augen. „Mein Mann wollte, dass dieser Mann meine Muschi befummelt. Ich glaube nicht, dass es ein Problem ist, wenn er oder sein Personal mich in BH und Unterwäsche sehen.“
Ich ziehe mein Kleid an und schließe den Reißverschluss mit einem wütenden Ruck, dann streife ich meinen Pullover über. Nachdem ich mein Haar so gut es eben geht mit den Fingern geglättet habe, schnappe ich mir meine Handtasche und meine Waffe. „Los geht’s.“
Ohne auf Lara zu warten, marschiere ich aus dem Untersuchungsraum. Dass da draußen keine Zuschauer auf mich warten, zeugt von der guten Schallisolierung in den Untersuchungsräumen. Ehrlich gesagt, kein beruhigender Gedanke.
Jetzt, da ich mich nicht mehr in einem Raum mit Leuten befinde, die mich betäuben wollen, stecke ich meine Waffe wieder in die Handtasche.
Fruchtbarkeitsklinik, von wegen.
Die Klinik sollte dichtgemacht werden. Die haben wirklich versucht, eine Patientin gegen ihren Willen zu behandeln.
Die haben gedacht, dass sie mich einfach so betäuben können.
Alles Arschlöcher, jeder Einzelne von ihnen. Aber das größte von allen ist mein Mann, der Unterboss.
Lara ist direkt hinter mir, als wir das Gebäude verlassen. „Unsere Leute werden sich darum kümmern. Der Arzt und das Personal wissen, dass sie besser den Mund halten.“
Ich steige hinten in den Wagen, ohne ein Wort zu meiner Leibwächterin zu sagen.
Lara braucht mir nicht gut zuzureden.
Dr. Hewitt und seine medizinischen Helfershelfer werden den Mund halten, denn wenn sie mich der Polizei melden, wird man ihnen unangenehme Fragen darüber stellen, warum ich mich bedroht gefühlt habe. Und warum sie sich nicht an die Gesetze halten.
Wenn sie es aber trotzdem darauf ankommen lassen und damit so eine ungeheuerliche Verletzung meiner Privatsphäre ans Licht kommt, könnte Dr. Hewitt seine Zulassung verlieren und die Klinik kann dichtmachen.
Allerdings kann ich auch keine Beschwerde einreichen. Mein Schwiegervater wird die im Keim ersticken. Das heißt aber nicht, dass ich die Sache auf sich beruhen lasse.
Aber im Moment konzentriere ich mich nicht auf Dr. Hewitt und seine Leute. Sondern auf meinen Mann. Diese Ratte.
„Bringen Sie mich zum Casino“, weise ich den Fahrer an.
Obwohl er einen Aufsichtsmanager für das Casino hat, haben Raff und seine Top-Leutnants dort ihre Büros.
„Der Boss ist gerade in einer Besprechung. Ich werde ihn wissen lassen, dass du ihn sprechen willst“, sagt Lara.
Ich antworte nicht. Sobald wir wieder in der Innenstadt sind, warte ich auf eine rote Ampel. Als der Wagen zum Stillstand kommt, steige ich aus. Wir sind nicht weit vom Hintereingang des Luxors entfernt. Ich gehe zu ihrem Taxistand.
„Giulia!“ Lara ist direkt hinter mir. „Bleib stehen!“
Ich höre ihr genau so sehr zu, wie man mir vorhin in der Klinik zugehört hat. Nämlich überhaupt nicht.
Ich gehe an der Schlange der Gäste entlang, die auf ein Taxi warten, stelle mich ganz nach vorn, und sage: „Ich bin Giulia Mancini. Ich brauche ein Taxi zum …“ Ich nenne den Namen des Casinos, das den Mancinis gehört.
Der Concierge pfeift ein Taxi herbei und öffnet mir die Tür. Lara rennt auf die andere Seite, als ihr klar wird, dass ich nicht rüberrutschen werde, um Platz zu machen.
Ich sage dem Taxifahrer, wohin ich will.
„Giulia, du weißt, dass er dich im Moment nicht empfangen kann.“
Ich weiß, dass Raff mir im Moment nicht den Vorrang geben will. Aber das ist nicht dasselbe. Er kann mich empfangen, und das wird er auch.