In diesem düsteren, emotionalen Mafia-Liebesroman von USA-Today-Bestsellerautorin Lucy Monroe ist Loyalität alles, Liebe gefährlich und nichts verführerischer als ein Mann, der sich weigert, loszulassen.
CATALINA
Ich habe es satt, unter der brutalen Fuchtel meines Vaters zu leben. Ich hatte vor, direkt nach der Hochzeit meiner Schwester mit dem Don aus dem Mafia-Leben zu fliehen. Aber als sie am Morgen der Zeremonie verschwindet, stehe ich an ihrer Stelle vor dem Altar. Eine Berührung von ihm entfacht Begierden, die ich nicht haben sollte, aber um das Leben meiner Schwester zu retten, stimme ich zu, den skrupellosen Don zu heiraten.
SEVERU
Für die Stabilität von la famiglia muss ich heiraten. Ich habe mich für ihre Schwester entschieden, weil ich dachte, sie wäre fügsam, aber es ist Catalina, die ich nicht aus meinen Gedanken verbannen kann. Als meine zukünftige Braut flieht, kann mich nichts davon abhalten, Catalina für mich zu beanspruchen. Sie wird mich heiraten, um ihre Schwester zu schützen, aber wer schützt sie vor mir?
Dieser Roman kann eigenständig gelesen werden. Trotz des Altersunterschieds und einer erzwungenen Ehe verspricht die Geschichte ein garantiertes Happy End – ohne Cliffhanger und absolut ohne Fremdgehen.
Aus der Orgel erklingt der Hochzeitsmarsch, aber die Türen im hinteren Teil der Kathedrale bleiben geschlossen.
Das Blumenmädchen steht allein auf der anderen Seite des Altars und sieht nervös aus. Eigentlich sollte die Brautjungfer bei ihr sein, aber Catalina Jilani, die ältere Schwester meiner Braut, ist nicht wie vorgesehen zum Altar gegangen.
„Was ist hier los?“, fragt mich mein Bruder und Trauzeuge Miceli. „Wo ist die Brautjungfer?“
„Keine Ahnung.“
Dann öffnen sich die Türen und meine Braut tritt neben ihrem Vater ein. Sie trägt weder ihren Brautstrauß, noch hält sie sich an seinem Arm fest.
Noch eine Abweichung von dem, worauf wir uns bei der Probe geeinigt hatten.
Sie macht einen langsamen, zögernden Schritt zum Hochzeitsmarsch, dann zwei. Spielen mir meine Augen einen Streich? Der Wunsch ist oft Vater des Gedankens, aber die Frau, die auf mich zukommt, bewegt sich nicht wie Carlotta.
Selbst wenn sie Schuhe ganz ohne Absatz trägt, ist sie zu klein. Der Schleier verbirgt ihr Dekolleté, aber diese Kurven kenne ich. Seit drei Monaten tauchen sie immer wieder in meinen Träumen auf und machen mich an. Und sie gehören nicht zu der Frau, die versprochen hat, mich zu heiraten.
Das da ist nicht Carlotta, sondern die verschwundene Brautjungfer, Catalina. Micelis hörbares Einatmen verrät, dass auch er sie erkannt hat.
Meine erste Reaktion ist Erleichterung.
Meine Ehre wird mich nicht dazu zwingen, eine Frau zu heiraten, die ich nicht will, während ich ihre Schwester begehre. Auf die Erleichterung folgt schnell die Wut. Francesco versucht, mir hier die falsche Frau unterzujubeln.
Mir. Seinem Don.
Aber warum? Und wie zum Teufel bildet er sich ein, dass ich ihn mit so einer Beleidigung durchkommen lasse?
Mein Consigliere meint oft, er sei schlauer als alle anderen, aber selbst er kann nicht glauben, dass ich nicht merke, wenn man mir die falsche Frau unterschiebt. Verlässt er sich darauf, dass ich den Mund halte, weil ich nicht wie ein Idiot dastehen will? Offensichtlich geht er davon aus, dass ich nicht merken werde, dass es sich um Catalina handelt, bis das Eheversprechen gesprochen ist. Mein Consigliere hält mich für einen Volltrottel.
Und was noch wichtiger ist: Warum zum Teufel macht Catalina bei dem Spiel mit? Der Gedanke, dass sie versuchen würde, mich hinters Licht zu führen, macht mich noch wütender als der Verrat ihres Vaters.
Ich warte schweigend und lasse meinen Consigliere und seine älteste Tochter das Loch graben, in das sie mit jedem hinterlistigen Schritt tiefer und tiefer fallen werden. Dies sollte eigentlich keine Bluthochzeit werden, aber ich werde heute einen meiner wichtigsten Männer töten.
Auf die Frage des Priesters hin bestätigt Francesco, dass er mir Madonna Jilani zur Frau gibt. Dann entfernt er sich und nimmt in der ersten Bank Platz.
Das war fast schon clever. Der Tradition in seiner Familie folgend, haben seine beiden Töchter den Vornamen Madonna, aber der zweite Vorname meiner Braut ist Carlotta, und den führt sie auch.
Ihre Schwester heißt Catalina.
Die kleine Betrügerin, die so unschuldig auf der untersten Stufe des Altars steht.
Ich sollte jetzt zu ihr gehen und ihr die Hand reichen, um sie die Treppe hinaufzuführen. Aber das tue ich nicht.
Scheinbar unbeeindruckt von der Beleidigung nimmt sie eine Stufe nach der anderen. Sie bleibt nicht vor dem Priester stehen, sondern geht weiter, bis sie direkt vor mir steht.
Dort hebt sie ihren Schleier hoch.
Sonst grün-braune Augen, die vor lauter Emotionen jetzt ganz grün sind, treffen auf meine. „Ich muss mit Ihnen reden.“
Mein erster Gedanke ist, dass sie nicht versucht, mich zu überlisten. Mein zweiter Gedanke gilt dem handgroßen roten Fleck auf ihrer Wange. Ich werde diesen Hurensohn umbringen. Er hat sie geschlagen, verdammt noch mal. Vor Wut, wie ich sie noch nie gefühlt habe, sehe ich rot.
Ich gebe sechs meiner Männer ein Zeichen, sich zu uns an den Altar zu gesellen und eine Mauer zwischen uns und den Hochzeitsgästen zu bilden, die jetzt anfangen, miteinander zu tuscheln. Jeder hier hat gesehen, dass mein Consigliere versucht hat, mir seine älteste Tochter als Braut unterzujubeln.
„Lasst mich da rauf. Ich muss mit dem Don sprechen. Nimm die Hände weg.“ Francesco macht sich lächerlich. Ich signalisiere Luigi, ihn auf Abstand zu halten. Wenn der mir zu nahe kommt, werde ich ihn vor viel zu vielen Zeugen eigenhändig umbringen.
Catalina beißt sich auf die Lippe und schaut überall hin, nur nicht zu mir. Ihr Blick fällt erst auf den Ringträger, meinen dreijährigen Neffen Neri, dann auf das Blumenmädchen uns gegenüber. Beide zappeln herum.
„Können wir die Kinder nicht zu ihren Eltern gehen lassen?“, fragt sie mit leiser, angespannter Stimme.
Ich neige den Kopf und mein Bruder kümmert sich darum.
„Du hast gesagt, du musst mit mir reden“, fordere ich sie auf.
Sie nickt und sieht mir wieder direkt in die Augen. Der Mut dieser kleinen Frau beeindruckt mich. Unabhängig von den Plänen ihres Vaters und der Gewalt, die er angewandt hat, um ihr seinen Willen aufzuzwingen, geht sie ihren eigenen Weg.
„Sie müssen Carlotta retten.“
Damit überrascht sie mich.
Meine Muskeln spannen sich an. „Wurde sie entführt?“, frage ich. „Wann?“
„Nein.“ Catalina schließt die Augen, als wünschte sie, sie müsste es nicht aussprechen. „Sie ist heute Morgen weggelaufen, während ich dachte, sie wäre im anderen Zimmer und würde sich da fertig machen.“
„Wie soll ich sie da retten?“
„Zuerst muss sie jemand finden. Sie ist zu unschuldig, um allein da draußen zu sein.“
„Ich bin sicher, dein Vater hat das im Griff.“
Catalina schüttelt den Kopf. „Er hat noch keine Männer losgeschickt, um sie zu suchen.“ Sie klingt, als sei sie dafür dankbar.
Was keinen Sinn ergibt, wenn sie mich gleichzeitig bittet, meine entlaufene Braut zu finden.
„Er war zu sehr damit beschäftigt, dich zurechtzumachen, damit du ihren Platz einnimmst“, sagt Miceli, der wieder bei uns steht und zumindest einen Teil des Gesprächs mitbekommen hat.
Catalina zuckt mit den Schultern und hält ihren Körper ganz still. Ist sie noch irgendwo anders als im Gesicht verletzt?
„Werden Sie sie suchen?“, fragt sie mich.
In meinem Kopf nimmt ein Plan Gestalt an. „Vielleicht.“
„Oh.“ Mein mangelndes Engagement scheint sie zu verunsichern.
„Du hast gerade ‚Zuerst‘ gesagt. Was sonst noch?“
„Also …“ Ihre Stimme stockt, als müsste sie sich erst überwinden, weiterzusprechen.
Ich bin kein geduldiger Mensch, deshalb klingen meine nächsten Worte hart. „Also was?“
„Können Sie meinem Vater befehlen, sie nicht zu schlagen oder zu töten?“ Catalina sieht mich bittend an, und ihre arme Unterlippe wird von ihren Zähnen wieder traktiert.
„Unter gewissen Umständen, ja.“ Ich strecke die Hand aus und befreie ihre Lippe. „Ob ich das aber tue oder nicht, hängt ganz von dir ab.“
Verwirrung füllt ihre hübschen Augen. „Von mir?“
„Ja. Ich habe erwartet, heute zu heiraten. Fünfzehnhundert Gäste erwarten, mich heiraten zu sehen. Vielleicht hast du es noch nicht bemerkt, Catalina, aber mir fehlt eine Braut.“
„Natürlich habe ich das bemerkt. Ich bin in ein Hochzeitskleid gestopft, das zehn Zentimeter zu lang und eine Nummer zu klein ist, weil meine Schwester verschwunden ist.“ Sie klingt gereizt.
„Weggelaufen“, korrigiere ich.
Sie runzelt die Stirn, nickt aber. „Weggelaufen.“
„Vor mir und ihrem Versprechen, mich zu heiraten.“ Ich sage das so deutlich, damit Catalina keinen Zweifel daran hat, wie ich Carlottas Handeln sehe.
Catalina beißt sich erneut auf die Lippe und mustert mich, aber schließlich nickt sie wieder zustimmend. Nicht, dass ich ihre Bestätigung bräuchte. Wir wissen beide, wie die Sache liegt.
Wieder befreie ich ihre Lippe und streiche diesmal mit dem Daumen darüber. „Hör auf damit. Du tust dir nur weh.“
Ihr Mund öffnet sich mit einem leichten Keuchen. Ich kann nicht anders, ich streiche wieder über ihre Lippen. Ihre Pupillen weiten sich und verraten mir, dass meine Berührung sie erregt, selbst unter den aktuellen, doch eher angespannten Umständen.
Die Anziehung zwischen uns ist zu verdammt stark. Das war der Hauptgrund dafür, dass ich nicht von Francesco verlangt habe, sie mir zur Frau zu geben. Ich wollte keine Frau, die mein Leben auf den Kopf stellt.
Aber anscheinend werde ich genau so eine bekommen.
„Es würde gegen unsere Traditionen verstoßen, wenn ich deinem Vater befehlen würde, deine Schwester nicht zu schlagen.“ Catalina weiß das, genauso wie sie zweifellos die Haltung meiner Familie kennt, wenn es um häusliche Gewalt geht.
Mein Vater war dagegen, Männer in Führungspositionen unter sich zu haben, die ihre Wut zu Hause nicht unter Kontrolle hatten. Sowohl seine Capos als auch sein Unterboss, Consigliere und Chef-Vollstrecker sollten ein gutes Beispiel für die niederen Ränge abgeben, indem sie die Gewalt, mit der wir täglich zu tun hatten, von ihren Familien fernhielten.
Ich habe das genau so gehalten. Aber mehr Einmischung des Dons lassen unsere Traditionen nicht zu.
„Als Don steht es mir nicht zu, mich in Familienangelegenheiten einzumischen.“
„Aber sie ist Ihre Verlobte. Gehört sie dann nicht zur Familie?“
Ich muss ihr klarmachen, dass ihre Schwester nicht länger in irgendeiner Weise zu mir gehört. „Nein, Catalina, in dem Moment, in dem sie weggelaufen ist, hat Carlotta die Vereinbarung zwischen unseren Familien gebrochen. Sie ist nicht mehr meine Verlobte.“
„Sie werden ihr also nicht helfen?“ Ihre Augen sind voller Enttäuschung.
Sie hat geglaubt, ich würde ihre Schwester retten. Nun, das werde ich tun. Aber das hat einen Preis.
„Unter bestimmten Umständen kann ich Carlotta voll und ganz beschützen, aber dafür musst du etwas tun.“
„Na endlich“, sagt Miceli leise.
Ich ignoriere ihn.
„Was?“ Sie sieht ehrlich verwirrt aus. Selbst nach meinen Andeutungen.
„Ich brauche eine Braut, und du trägst bereits das Kleid, das dir übrigens sehr gut passt.“ Ich lasse den Blick über ihre schönen Brüste gleiten, die durch das enge Mieder perfekt zur Geltung kommen.
In Zukunft wird sie nichts mehr tragen, das so viel Dekolleté zeigt, aber im Moment genieße ich den Anblick. Ihre runden Hüften sind unter dem üppigen Kleid verborgen, aber auch das gefällt mir. Ihr heißer Körper ist vor den anderen versteckt.
„Ja, richtig. Wenn ich versuche, zu gehen, ohne dabei den Rock hochzuhalten, stolpere ich und falle auf die Nase.“ Sie widerspricht mir in einer Hinsicht, ignoriert aber meine Bemerkung völlig, dass mir eine Braut fehlt.
„Wenn du meine Frau bist, werden deine Familienangelegenheiten zu meinen Familienangelegenheiten.“ Ich beobachte, wie es ihr langsam dämmert.
Zu viele verschiedene Emotionen jagen über ihr ausdrucksvolles Gesicht, als dass ich sehen könnte, in welche Richtung sie tendiert. Sie schwankt zwischen Erleichterung und Widerwillen, und dazwischen gibt es noch einige andere Gefühle.
„Ich kann Sie nicht heiraten“, sagt sie, aber ihrer Stimme fehlt die Überzeugung.
„Ganz im Gegenteil. Du kannst und du wirst. Deine Familie schuldet mir eine Braut und du wirst mir gehören.“ Mir, verdammt. Das hört sich zu schön an, um wahr zu sein.
„Aber das ist nicht legal.“
Ich lächle, und was immer sie in meinem Gesicht liest, lässt ihre Augen größer werden. „Die Heiratsurkunde ist für Severu E. De Luca und Madonna C. Jilani. Solange der Priester deinen Namen und nicht den deiner Schwester für das Gelübde verwendet, ist damit alles in Ordnung.“
Die religiöse Zeremonie ist nicht notwendig, damit die Ehe rechtsgültig und verbindlich ist. Wir beide müssen lediglich den Ehevertrag zusammen mit Zeugen unterschreiben und die Dokumente müssen bei der Stadtverwaltung eingereicht werden.
„Aber Sie wollen mich doch gar nicht heiraten.“ Sie klingt irgendwie verzweifelt.
Ich lächle wieder, wie das Raubtier, das ich bin. „Meinst du?“
„Sie wollen sich nicht vor all diesen Leuten hier blamieren“, sagt sie, als hätte sie es begriffen.
„Wenn die Hochzeit heute nicht stattfindet, blamiert sich nur dein Vater. Aber den höchsten Preis wird deine Schwester zahlen.“